Appell für LAAANGEWEILE

Aus Langeweile entsteht Kreativität, entsteht Begeisterung und Leidenschaft – entsteht Entspannung und Ruhe – ein in sich kehren. 

Appell für LAAANGEWEILE

Ein Begriff der aktuell durch alle Medien und Haushalte geistert ist LANGEWEILE und ich lese immer wieder von Tipps gegen Langeweile – Aber: sich langweilen zu können ist eine wichtige lebenslange Ressource!

Oftmals sind Babys und Kleinkinder von einem Übermaß an Spielmaterialien umgeben, alles wird ausgeräumt und am Boden verteilt, aber nicht damit gespielt – Sie können sich nicht alleine beschäftigen und quengeln, hängen ständig am Rock/Hosenzipfel und wollen bespaßt werden. Das zehrt an den Nerven.

Es ist wichtig, dass wir Eltern auf die Bedürfnisse unserer Kinder reagieren und ihnen Anregungen biete, manchmal verfallen wir Eltern aber sehr schnell in ein Zuviel an Aktionismus und unser Kind wird gewohnt von uns oder durch eine Vielzahl an Anregungen (Spielmaterialien, Medien…) beschäftigt - „bespaßt“ zu werden – dadurch lernen Kinder nicht sich selbstständig zu beschäftigen und selbstständig zu spielen. Kinder erleben – wenn mir langweilig ist, löst jemand anders dieses Problem für mich.

„Kinder müssen in ihrer eigenen Langeweile versinken, damit die Welt um sie herum so still wird, dass sie sich selbst hören können“ (V. Lapointe)

Aus Langeweile entsteht Kreativität, entsteht Begeisterung und Leidenschaft – entsteht Entspannung und Ruhe – ein in sich kehren. Kinder müssen lernen sich zu langweilen, dafür ist es unbedingt notwendig, sich mit Langeweile auseinanderzusetzen und vor allem auch mit den Gefühlen, die mit Langeweile einhergehen. Vielleicht fällt es uns schwer das quengeln unsere Kinder auszuhalten, vielleicht auch gerade jetzt, wo wir mit unseren Gedanken woanders sind, wo wir gestresst, verängstigt oder vielleicht auch selbst gelangweilt sind.

Langeweile und auch Frustration sind wichtige Entwicklungsmotoren! Sich zu langweilen ist unter anderem abhängig von der Fähigkeit zur Selbstregulation, dem Alter und der Tagesverfassung. Mit Langeweile umzugehen, sich selber zu beruhigen und zur Ruhe zu kommen sind wichtige Entwicklungsaufgaben in den ersten Lebensjahren und auch mit der Fähigkeit zu entspannen, zur Ruhe zu kommen und somit eine wichtige Voraussetzung für (selbstständiges) Schlafen.

Hier einige Tipps um sich gut (miteinander) zu langeweilen:

  • Die Antwort auf „Mir ist sooo langweilig“ bzw. auf Quengeln bei Babys und Kleinkinder: „Ich verstehe, was hast du für eine Idee gegen die Langeweile? Was könntest du machen?“ - Vermeide dein Kind (dauernd) zu beschäftigen!
  • Vermeide „Fertig-Spielzeug“ – Kinder interessieren meist die Dinge des Alltags, unsere Töpfe, Zeitungen… am liebsten sind sie Live dabei und wollen mithelfen
  • Nicht immer was Neues – Kinder brauchen und lernen durch Wiederholung
  • Weniger ist mehr – oder das Kisten-Prinzip: Ausmisten, sortieren und in Kisten räumen (und die Kisten in einen Kasten – aus dem Auge aus dem Sinn) kann oftmals sehr hilfreich sein, so können Materialien immer wieder ausgetauscht werden, was das Spielen damit viel interessanter macht. Außerdem liegt weniger in der Gegend herum und wenn es dann mal dringend eine Beschäftigung (oder Mama/Papa mal Ruhe brauchen) braucht, leisten diese Kisten gute Dienste.
  • Ideen und kleine Anregungen geben – gib deinem Kind kleine Impulse im Umgang mit Spielmaterialien „Was kannst du noch damit machen?“, vielleicht braucht es auch ein kurzes Mitspielen – einen Schubs – um die Kinder dann wieder sich und dem Spiel zu überlassen.

Wichtig: Was braucht mein Kind? Was brauche ich? Wenn wir sehr gestresst sind reagieren wir auf die Signale und Bedürfnisse unserer Kinder anders – Was löst das Verhalten meines Kindes in mir aus? Bin ich im Moment ein/e gute/r LernpartnerIn im Umgang mit Emotionen, Selbstregulation und Langeweile, oder brauche ich zunächst etwas um mein Kind gut unterstützen zu können?

Sich gut langeweilen können ist ein Lern- und Entwicklungsprozess – Schritt für Schritt.

Die größte Herausforderung für uns Eltern ist die Langeweile unserer Kinder (und auch unsere) auszuhalten und zuzulassen!

2020© Sabine Rühl, www.siebenschlaefer.at

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