19 Mythen rund um Baby- und Kinderschlaf

Wir haben für euch insgesamt 19 Mythen rund um Baby- und Kinderschlaf gesammelt und werden diese mit unserem Wissens- und Erfahrungsschatz etwas entkräften.

PPT Mythen

In unserem Arbeitsalltag werden wir immer wieder mit Mythen rund um Baby- und Kinderschlaf konfrontiert. Einige Mythen halten sich sehr hartnäckig!

Vielleicht kennt ihr diese Mythen, sicher wurdet ihr mit einigen bereits selbst konfrontiert – vor allem in herausfordernden Zeiten tauchen diese gehäuft auf und man verschwendet schon den einen oder anderen Gedanken daran.

Viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln. 

Euer SiebenschläferTeam Sabine Rühl und Marie Scherz

 

 Mythos #1: „Die werdet ihr NIE mehr aus eurem Bett rauskriegen“

Stimmt nicht - Alle Gewohnheiten und Rituale sind (auch wenn manchmal nicht so leicht) veränderbar. Jede Familie schläft anders gut! Das Wichtigste ist, dass alle zu erholsamen Schlaf finden. Im Familienbett sollte deshalb jede/r einen eigenen Schlafplatz haben (d.h. mindestens 90cm pro Kopf). Wichtig ist auch auf die Sicherheit von Säuglingen und Kleinkindern zu achten!

Vor allem in herausfordernden Zeiten suchen Kinder (egal welchen Alters) nachts vermehrt nach Nähe und Sicherheit!

Eine Kollegin pflegt zu sagen: “Spätestens, wenn sie das erste Mal ihre/n FreundIn mit nach Hause bringen ziehen sie freiwillig aus ?“

Wann ist dein Kind aus dem Familienbett „ausgezogen“?

 

 Mythos #2: „Babys nach dem 6.Lebensmonat brauchen nachts nichts mehr zum Essen“

Jedes Kind ist individuell und eine pauschale Antwort ist nie möglich. Außerdem verläuft die Entwicklung bis zum 1. (Entwicklungs)Geburtstag rasant - Wachstum und Entwicklung machen keine Pause. Für dieses „TurboWachstum“ ist Energiezufuhr in regelmäßigen Abständen rund um die Uhr notwendig.

„Dass schon junge Säuglinge „durchschlafen“ können, wird gerne so begründet: Mit etwa 6 Monaten sei der Stoffwechsel des Babys stabil, dass das Kind ohne nächtliche Nahrungszufuhr auskomme. Der Blutzucker sinke jetzt nicht mehr wie beim ganz jungen Säugling zwischen den Mahlzeiten ab, das Kind bleibe nun auch ohne regelmäßige Kalorienzufuhr im „grünen Bereich“. So einleuchtend dies Begründung scheint: das Einzige, dass sie wirklich aussagt, ist, dass nächtliche Nahrungspausen jetzt keine gesundheitlichen Probleme mehr verursachen. Sie geht nicht darauf ein, ob es dem Säugling möglicherweise einen (Überlebens)Vorteil verschafft, wenn er nachts zusätzlich Nahrung zu sich nimmt“ (Dr. Renz-Polster, www.kinder-verstehen.de).

Unsere Erfahrung: Fast alle Säuglinge brauchen mindestens bis zum 1.Entwicklungsgeburtstag nachts noch Nahrung. UND: Hunger ist nur einer von vielen Faktoren, der dazu führt, dass Babys und Kleinkinder nachts aufwachen. Kinder brauchen nachts dann keine Nahrung mehr, wenn sie es schaffen ihren Nahrungsbedarf tagsüber gut zu decken.

Was sind deine Erfahrungswerte? Ab wann brauchte dein Baby/Kleinkind nachts keine Nahrung mehr?

 

Mythos #3: „Wenn du abstillst, schläft dein Kind durch“

Schlafen und Essen (egal ob Flasche oder Stillen) sind im 1. Lebensjahr und darüber hinaus eng verbunden. ABER: Wie oft, wie viel und womit Kinder ernährt werden hat an sich nichts mit Durchschlafen zu tun.

„Durchschlafen“ ist abhängig von Reife-, Entwicklungs- und Lernprozessen. Wenn Säuglinge und Kleinkinder nachts noch Nahrung brauchen, d.h. Hunger haben, führen nächtliches Abstillen oder die Flasche nachts wegzulassen NICHT dazu, dass Kinder früher durchschlafen – sie wachen auf und haben Hunger bzw. Durst und dieses Bedürfnis muss gestillt werden.

Außerdem: Hunger/Durst ist nur einer von vielen Faktoren, die dafür sorgen, dass Säuglinge nachts wach werden und unsere Unterstützung beim Wiedereinschlafen brauchen. Alle, Kinder und auch wir Erwachsenen, durchlaufen im Schlaf regelmäßig sogenannte Leichtschlafphasen. In diesen Phasen sind wir sehr leicht weckbar und „checken“ ob alles in Ordnung ist. Wenn etwas nicht in Ordnung ist wachen wir auf (z.B: Blase drückt, Decke runtergefallen, Bedürfnis nach Nähe, Schnuller rausgefallen, Unwohlsein, Hunger, Angst……). Babys und Kleinkinder brauchen dann oft Hilfe beim Wiedereinschlafen – beim Weiterschlafen.

Gerade in den ersten Lebensjahren, in denen Entwicklung und Wachstum so rasant verlaufen gibt es viele Gründe die das Durchschlafen „stören“.

Was lässt dein Kind aufwachen?

 

Mythos #4: „Du verwöhnst dein Baby, wenn du es in den Schlaf trägst“

Säuglinge sind als Nesthocker und Traglinge von Beginn an auf unsere Unterstützung (als Co-RegulatorInnen) angewiesen, um ihre Bedürfnisse nach Nähe/Sicherheit, Nahrung… zu befriedigen. Bei Babys führen Tragen, Stillen/Flasche, Körperkontakt, Bewegung und Geräusche (Singen, Rauschen…) meist recht schnell dazu, dass sie sich beruhigen und entspannen – und somit auch leichter in den Schlaf finden. Dieses Beruhigungsstrategien funktionieren - sind „angeboren“ und jedes Babys braucht Unterstützung, aber in unterschiedlichem Ausmaß. So gibt es Neugeborene, die man „einfach ablegen“ kann und andere, die die ersten Wochen auf Mama und Papa „wohnen“.

Babys und Kinder brauchen auch in herausfordernden Entwicklungssituationen (z.B. wenn Babys zu krabbeln beginnen und einfach nicht im Bett lieben bleiben), aber auch wenn wir gestresst sind, mehr Unterstützung. Ist das verwöhnen?

Oft passiert es, dass aus unserer Reaktion auf Bedürfnisse, eine Gewohnheit und somit ein Ritual entsteht. Die Kinder gewöhnen sich an bestimmte - manchmal mit der Zeit unliebsame, lästige… - (Einschlaf)Rituale und fordern diese dann auch ein. Ist das verwöhnen?

Die viel wichtigeren Fragen sind: Wie schafft es mein Kind sich zu beruhigen? Was braucht es von mir? Reagiere ich auf ein Bedürfnis – oder hat sich eine Gewohnheit eingeschlichen? Wie geht es mir mit dem Ritual? Wie kann ich mein Baby/Kind dabei unterstützen alternative Beruhigungsrituale zu entwickeln?

Mit zunehmendem Alter ist es wichtig, Babys und Kleinkinder dabei zu begleiten unterschiedliche alternative Beruhigungsstrategien zu entwickeln, um somit auch auf anderen Wegen (selbst) in den Schlaf zu finden.

Wichtig: Unsere Kinder, uns selbst und Menschen die uns wichtig sind zu verwöhnen ist wichtig und richtig?

Wie begleitest du dein Kind in den Schlaf?

 

Mythos #5: „Alle anderen Kinder schlafen (schon) durch“

Kaum erzählt man, dass die letzte Nacht/oder Nächte sehr herausfordernd waren hört man sicher „Das Kind von xy schläft aber schon lange durch“. Außerdem kennt zumindest jede/r ein Baby im Bekanntenkreis welches durchschläft… Das trifft uns Mütter und Väter meist sehr hart, vor allem nach sehr herausfordernden durchwachten Nächten ohne Ende in Sicht.

„Durchschlafen“, meist definiert mit 4-5 Stunden, ist abhängig von Entwicklungs-, Reife- und Lernprozessen. Tatsache ist: (häufiges) nächtliches Erwachen ist „normal“ und gehört dazu.

Nächtliches Erwachen ist ein Schutzmechanismus. Auch wir Erwachsenen werden nachts regelmäßig wach, erinnern uns meist aber nicht daran. Wir durchlaufen in der Nacht unterschiedliche Schlafphasen – vom Tiefschlaf über den Traumschlaf zum Leichtschlaf. Beim Übergang von einem Schlafzyklus in den nächsten werden wir alle kurz wach und checken ob alles in Ordnung ist, um dann wieder weiterzuschlafen. Babys und Kinder brauchen meist und immer wieder unsere Unterstützung beim Wiedereinschlafen – beim Weiterschlafen – beim Durchschlafen.

Unser Tipp: Leg dir für nervige Fragen vorab Antworten parat. Wenn jemand erzählt ein Säugling oder Kleinkind schlafe durch, fragt doch genauer nach: Was bedeutet durchschlafen? Wie lange schläft das Kind am Stück? Oder aber du sagst „Klar schläft mein Kind durch! Von einer (Still)Mahlzeit zur nächsten“ ;)

Was antwortet ihr auf diese Frage?

 

Mythos #6: „Lass dein Baby schreien, sonst lernt es nie alleine einzuschlafen“

Von Beginn an ist es (überlebens)wichtig, dass Eltern auf die Signale des Säuglings angemessen reagieren. Wenn wir gar nicht auf das Schreien der Babys reagieren erleben sie Stress - bis hin zu Panik. Sie sind hilflos und verzweifelt und erleben, dass in Notsituationen niemand kommt.

Babys und Kinder schreien – das ist ihre Sprache, ihre Möglichkeit sich auszudrücken – wichtig ist, dass sie sich ausdrücken dürfen, dass wir auf diese Signale reagieren - entscheidend ist, wie wir auf diese Signale reagieren! So braucht ein Neugeborenes andere Reaktionen von uns als ein 6 Monate altes Baby oder ein Kleinkind. Mehr darüber erfährst du bei Mythos#7 „Lass dein Baby auf keinen Fall schreien“

Babys/Kinder „schreien zu lassen“ ist ein oft gehörter – gut gemeinter? – Ratschlag. Ja es stimmt, wenn wir Babys/Kinder (alleine) schreien lassen hören sie irgendwann auf und „schlafen ein“, dies ist aber eher als eine Art „Notaus“ – als Stressreaktion - zu verstehen und hat nichts mit sich beruhigen und einschlafen zu tun.

Um (allein) gut in den Schlaf zu sinken müssen wir uns sicher und geborgen fühlen und entspannt sein – dazu brauchen Babys und Kinder die Hilfe und Unterstützung von uns Eltern – und das kann dauern, denn Einschlafen hat auch immer etwas mit sich trennen, loslassen und abschalten können zu tun.

Hast du diesen Tipp schon mal erhalten? Wie reagierst du darauf?

 

Mythos #7: „Lass dein Baby auf keinen Fall schreien“

Wenn Babys schreien reagieren wir unweigerlich darauf – wir sind gestresst, verunsichert, machen uns Sorgen, fühlen uns hilflos und wollen unbedingt „helfen“. Vielleicht halten wir das Schreien nicht oder nur schwer aus, vielleicht haben das Gefühl keine gute Mutter/kein guter Vater zu sein, wenn mein Baby weint, vielleicht wollen verhindern, dass es unserem Baby schlecht geht oder haben das Gefühl wir müssten unserem Baby unangenehme Situationen ersparen…

ABER: Weinen –Schreien ist die Sprache der Babys – ist ihre Ausdrucksmöglichkeit. Wenn Babys schreien steckt eine Botschaft, ein Bedürfnis dahinter, die nicht immer so leicht zu entschlüsseln ist – Spannungsabbau, Hunger, Langeweile, Frustration --- viele Möglichkeiten.

Wichtig ist, auf das Schreien angemessen zu reagieren, nicht jedes Schreien braucht die gleiche Reaktion, aber es braucht eine Reaktion! Welche Reaktion es braucht ist abhängig von der Situation, Alter und Entwicklung des Babys/Kindes. Ein Neugeborenes beispielsweise braucht eine Reaktion innerhalb von einigen Sekunden, braucht Körperkontakt und Hilfe beim Beruhigen. Bei einem Kleinkind sieht das meist schon ganz anders aus – und als Mutter/Vater weiß man mittlerweile bei einem bestimmten Weinen muss man nicht sofort reagieren.

Angemessen auf die Bedürfnisse und Signale des Kindes zu reagieren ist entscheidend für alle weiteren Entwicklungsschritte – beispielsweise für die Selbstregulationsfähigkeit – die Fähigkeit sich selbst zu beruhigen. Zur Bewältigung dieser Entwicklungsaufgabe brauchen Kinder unsere Unterstützung, sie brauchen angemessene Herausforderungen, müssen ihre Gefühle kennenlernen und lernen angemessen damit umzugehen – dabei brauchen sie Unterstützung, aber vor allem auch das Gefühl und Erleben „Ich kann selber etwas schaffen!“ – und dafür müssen Kinder ihre Möglichkeit Gefühle ausdrücken können – und wir Eltern diese Gefühle aushalten.

Wie geht es dir, wenn dein Baby/Kind weint oder schreit?

 

Mythos #8: „Kinder müssen im eigenen Bett schlafen“

Eigenes Kinderzimmer, eigenes (Gitter)Bett… werden in unsere Gesellschaft manchmal als „normal“ erachtet – manchmal „verstaubt“ das Gitterbett aber auch im eigenen Zimmer. In anderen Familien, anderen Ländern und Kulturen gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber wie und wo Babys und Kinder schlafen – darüber was „normal“ ist. Auch eine oder zwei Generationen vor uns gab es andere Vorstellungen. Noch ohne Kind habt ihr euch vielleicht auch gedacht „So wird das bei mir/uns sicher nicht!“ ?

Erfahrungsgemäß verändert sich in den meisten Familien der Schlafplatz im Laufe der ersten Lebensjahre mehrmals – und das ist gut so und darf auch so sein. Um nur einige Möglichkeiten zu nennen: Baby im Elternschlafzimmer, Familienbett, Kind im Kinderzimmer, „auf“ Mama/Papa, ein Elternteil auf der Couch, Mama mit Baby/Kind im Kinderzimmer, Papa mit größerem Geschwister im Kinderzimmer, Mama sitzend neben dem Gitterbett, Geschwisterbett, ……

Aktuelle Empfehlung fürs 1. Lebensjahr: im elterlichen Schlafzimmer in einem eigenen Bett.

Unsere Empfehlung: Hinterfragt eigene Vorstellungen und Bilder und passt sie an eure individuellen Bedürfnisse an.

Am wichtigsten: Achtet auf eine sichere Schlafumgebung für euer Baby/Kind und darauf, dass ihr alle als Familie (jede und jeder einzelne) gut und erholsam schlafen könnt.

Wie und wo haben deine Großeltern (als Baby) geschlafen? Welche Vorstellungen habe ich, mein/e PartnerIn?

 

Mythos #9: „Je weniger ein Baby tagsüber schläft, umso besser schläft es nachts“

Soviel vorab: Genau das Gegenteil ist der Fall.

Babys im ersten Lebensjahr brauchen regelmäßig mehrmals Pausen und Schlaf tagsüber. Dies ist wichtig um Energie zu tanken, die vielen Eindrücke des Tages gut zu verarbeiten und um sich zu entspannen. Wenn Babys eine Pause brauchen, aber nicht schlafen (können oder wollen) sind sie übermüdet – überreizt – raunzig und quengelig… übermüdete Babys schlafen dann meist schlechter ein und auch der Nachtschlaf ist unruhiger als sonst.

Im ersten Lebensjahr ist es wichtig, Babys dabei zu unterstützen regelmäßig Pausen und Schläfchen zu machen, manche brauchen dabei mehr Unterstützung als andere, weil es ihnen schwerer fällt sich zu entspannen und zur Ruhe zu kommen.

Wie viel und wie oft Babys und Kinder tagsüber schlafen ist individuell. In den ersten Lebensjahren nimmt der Tagschlaf zugunsten längerer Wachphasen ab – auch das im individuellen Tempo.

Abhängig von Entwicklungs- und Reifeprozessen, erfahrungsgemäß erst nach dem ersten Geburtstag, gelingt es Kindern ein SchlafBedürfnisse aufzuschieben und auf andere Art und Weise Energie zu tanken und Pausen zu machen. Zum Beispiel wenn sie um 16 Uhr nochmal so müde werden, ein Schläfchen aber bedeuten würde, dass sie erst um 23 Uhr einschlafen.

Wie geht es deinem Baby, wenn es ihm tagsüber schwer fällt einzuschlafen?

Wie schläft dein Kind, wenn es übermüdet ist oder ein Schlaf „übergangen“ wurde?

 

 Mythos #10: „Babys sollten möglichst rasch lernen, alleine einzuschlafen“

Rund ums Einschlafen bewegen sich die Gedanken von uns Eltern meist zwischen „es ist so schön, wenn du in meinen Armen einschläfst“ und „wann schläfst du endlich alleine ein“.

Oft hört man/frau, dass es wichtig ist, dass bereits sehr junge Säuglinge lernen alleine einschlafen, da sich die Kinder ansonsten daran „gewöhnen“, dass sie es nie lernen ohne die Hilfe von uns Eltern einzuschlafen. Babys brauchen jedoch von Anfang unsere Unterstützung um zur Ruhe zu kommen, um zu entspannen und in den Schlaf zu finden. Einschlafen ist eine sehr sensible Zeit und braucht Begleitung – jedes Baby und Kind dabei auf seine Art und Weise.

Alleine Einschlafen ist abhängig von Entwicklungs-, Reife- und Lernprozessen und somit vielen verschiedenen Faktoren: sich sicher und geborgen fühlen, sich selbst beruhigen können, sich entspannen und loslassen können, „liegen bleiben“, (Trennungs)Ängsten, Einschlafhilfen, Einschlafritualen, dem Einschlaffenster.......das braucht Begleitung, verändert sich immer wieder und alle Rituale können verändert werden.

Wichtig: Babys und Kleinkinder „verstehen“ nicht, warum sie alleine einschlafen sollten – wo wir doch den ganzen Tag (und auch die Nacht) auf ihre Bedürfnisse und Signale reagieren. Und: (Alleine) Einschlafen funktioniert nicht unter Druck und Stress (z.B. durch Schreien lassen)!!!

Ganz wichtig: Jede Familie versteht etwas anders unter alleine einschlafen! Und: Wer von uns schläft schon gerne allein ein?

Wie begleitest du dein Kind in den Schlaf?

 

Mythos #11: „Wenn dein Kind müde ist, wird es schon schlafen“

Alle die dies schon mal gehört haben, müssen jetzt sicher schmunzeln und wissen: Meist ist genau das Gegenteil der Fall!

„Übergehen“ Kinder einen Tagschlaf, sind übermüdet und/oder überreizt/aufgedreht fällt es ihnen schwerer in den Schlaf zu sinken. Wenn Kinder signalisieren, dass sie müde sind (gähnen, Augen reiben, quengelig sein, tollpatschig werden....) haben wir Eltern das Gefühl „mein Kind ist sooooo müde, jetzt muss es doch ins Bett fallen“ – falsch gedacht – im Bett wird getrascht, gesprungen, ... manchmal haben Kinder noch Energie für weitere Stunden.

Auf einen guten Tag folgt eine gute Nacht – und dazu gehören auch tagsüber notwendige Ruhe-, Rast- und Schlafenszeiten.

Kinder sind meist nicht in der Lage von sich aus den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, wann es gut für sie ist ins Bett zu gehen, wann ihr „Einschlaffenster“ offen ist und sie gut einschlafen können – die meisten brauchen Begleitung von uns Eltern.

Wählt dein Kind selbst wann es ins Bett geht? Oder legst du die Einschlafzeit für dein Kind fest?

 

Mythos #12: „Wenn du dein Kind abends später schlafen legst, schläft es morgens länger“

Wahrscheinlich schmunzelst du jetzt schon 😊 Wir alle haben es vielleicht schon mal probiert, aber es führte nicht zum Erfolg, wahrscheinlich war dein Kind sogar noch früher wach als sonst 😊

Jedes Kind und jeder Erwachsene hat einen individuellen Schlafbedarf und SchlafWachRhythmus – „Schlaftyp“. Unsere innere Uhr ist bei einigen eindeutig auf Lerche oder Eule gestellt, manche sind zwischendrin.

Lerchen gehen relativ früh zu Bett, wachen früh auf und nutzen die Morgenstunden produktiv – singen schon frühmorgens. Eulen hingegen arbeiten, lernen, turnen .. bis spät in die Nacht und nutzen diese Zeit auch sehr produktiv, morgen kommen sie nur schwer aus dem Bett, sind vielleicht eher Morgenmuffel, um die man einen Bogen mache sollte.


Bist du Lerche, Eule oder eher dazwischen?

Auch bei Kindern erkennt man meist sehr früh ob sie eher Lerchen oder Eulen sind. Wenn dein „Schlaftyp“ und der deines Kindes übereinstimmt, passt es wahrscheinlich für dich, dass dein Kind recht früh wach ist oder nachts erst spät zu Bett geht. Herausfordernd hingegen für eine EulenMama oder EulenPapa mit einem LerchenKind. Man selber geht erst spät ins Bett und dein Kind hat einen eingebauten Wecker um z.B. 5 Uhr – ist gut gelaunt und startet mit voller Energie in den Alltag. Ebenso herausfordernd für LerchenMama oder LerchenPapa, wenn die Abends schon hundemüde sind und ihr EulenKind noch lange nicht ans Schlafen denkt.

Im Laufe der ersten Lebensjahre verändern sich Schlafbedarf und auch der SchlafWachRhythmus immer wieder von sich aus. Auch äußere Faktoren wie (Krippe, Kindergarten, Job, Zeitumstellung…) erfordern, dass wir unseren Rhythmus anpassen (so gut als möglich 😊)

Wichtig: Veränderungen brauchen Zeit und Geduld – eine einmalige Veränderung im Tagesrhythmus hat meist keine langfristigen Auswirkungen.

Welcher Schlaftyp ist dein Kind?

 

Mythos #13: „Kinder schlafen im Familienbett besser“

Unser Leitsatz: Jedes Kind, jede Familie schläft anders und braucht auch etwas anderes!!

Einige Familien berichten, dass sie sich schon so gefreut haben, endlich alle gemeinsam im Familienbett zu schlafen – und jetzt bemerken sie, dass das Kind und/oder die Erwachsenen gar nicht passt. Andere Familien wiederum berichten, dass Familienbett von Anfang an gar nicht geplant war, aber das Beste ist was ihnen passiert ist.

Da gehen die Meinungen, Gewohnheiten und Bedürfnisse seeehr weit auseinander. Es gibt dafür keine generelle Empfehlung. Erfahrungsgemäß verändert sich in den meisten Familien der Schlafplatz im Laufe der ersten Lebensjahre mehrmals – und das ist gut so und darf auch so sein!

Oberstes Prinzip: Gestaltet euren Schlaf als Familie so, dass jede/r Einzelne erholsam und gut schläft!! Wichtig ist auf die Sicherheit des Babys/Kindes und darauf zu achten, dass alle genügend Platz zum Schlafen haben (ca. 90cm/Kopf).

Wenn ein oder beide Elternteile oder dein Kind nicht erholsam schlafen können, braucht es Veränderung, dann kann es Sinn machen zu hinterfragen: „Warum schlafen wir so, wie wir schlafen?“

Wo schläft dein Kind am besten? Wie schläft deine Familie am besten?

 

Mythos #14: „Einschlafstillen/-flasche ist eine schlechte Angewohnheit“

Alle Babys schlafen während dem Stillen/der Flasche ein – das ist keine Angewohnheit, sondern passiert einfach und lässt sich auch oftmals gar nicht verhindern. Saugen und Nuckeln wirken von Natur aus beruhigend, Körperkontakt entspannt zusätzlich – beste Voraussetzungen um einzuschlafen. Und für die meisten Mütter und Väter auch praktisch und gemütlich.

Babys brauchen von Anfang an unsere Unterstützung um zur Ruhe zu kommen, um zu entspannen und in den Schlaf zu finden – jedes Baby und Kind dabei auf seine Art und Weise. Herausfordernd wird es meist früher oder später, wenn Einschlafen nur beim Stillen/nur mit der Flasche funktioniert und dieses Ritual, diese Angewohnheit für euch als Familie nicht mehr passt.

Mit zunehmendem Alter kann es deshalb hilfreich sein, Babys und Kleinkinder dabei zu begleiten unterschiedliche alternative Einschlafrituale zu entwickeln, um somit auch auf anderen Wegen (selbst) in den Schlaf zu finden.

Manchmal übernehmen die Kinder auch von sich aus das Ruder und schlafen nicht mehr während dem Stillen/ der Flasche ein 😊. Spätestens dann braucht es neue Rituale 😊.

Stillst du dein Kind in den Schlaf? Schläft dein Kind ein während du ihm die Flasche gibst?

Wie geht es dir damit? Wie kannst du dein Baby/Kind dabei unterstützen alternative Beruhigungsrituale zu entwickeln?

 

Mythos #15: „Gib ihm doch ein Flascherl mit Grießbrei, dann schläft dein Kind durch“

Ein reichhaltiges Abendessen kann dazu führen, dass Kinder, aber auch wir „schneller“ einschlafen. Jedoch führt dies meist nicht zu erholsamen Schlaf oder „Durchschlafen“, sondern wie Marie immer sagt „Zu einem Schweinsbraten-Verdauungs-Schlaf“ – „Fresskoma“. Auch wir werden oft nach einem reichhaltigen Abendessen, dass uns schwer im Magen liegt, von unserer Verdauung geplagt und schlafen unruhiger.

Brei gehört auf den Löffeln und nicht in die Flasche:

„Trinkbreie“, „Trink-Mahlzeiten“ und „Gute-Nacht-Fläschchen“ können „Nuckel“Karies und Übergewicht fördern, sowie das allmähliche Erlernen von gesundheitsfördernden Essgewohnheiten stören. Trinkbreie haben einen hohen Energiegehalt, sie sind keine Säuglings(anfangs)nahrung und können somit zu einer Überfütterung führen. Säuglingsanfangsnahrungen (Pre- oder 1-Nahrungen) sind zur Fütterung von Geburt an und für das gesamte erste Lebensjahr geeignet. Ein Wechsel auf Folgenahrung ist nicht notwendig.

Außerdem kann Brei schwer im Magen liegen – Verdauung beginnt im Mund – Speichel leitet die ersten Schritte der Verdauung ein. Der Brei landet über die Flasche direkt im Bauch des Kindes, ohne mit Speichel vorverdaut zu werden.

Merkst du einen Einfluss von Nahrung auf den Schlaf deines Kindes?

 

Mythos #16: „Schlafen wie ein Baby“

Jetzt lacht ihr sicher schon 😊 Da fällt uns gar nichts dazu ein, außer:

„People who say, they sleep like babies, usually don’t have them.“ Leo J. Burke

Alle die Kinder haben wissen: Babys und Kinder schlafen unruhig (reden im Schlaf, bewegen sich, lachen und weinen im Schlaf…) und „Durchschlafen“ ist ein Entwicklungs-, Reife- und Lernprozess, der sich über die ersten Lebensjahre erstreckt. Häufiges Aufwachen und herausfordernde Nächte gehören zum ElternSein dazu.

Eine Mutter meinte mal: Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt, ich hätte die ganze Schwangerschaft über geschlafen 😊

 

Mythos #17: „Ich muss alles alleine schaffen, alle andere schaffen es ja auch!“

Uns begegnen immer wieder Mütter und Väter, die auf uns wie „Supermütter/Superväter“ – vielleicht sogar „SuperFamilien“ wirken – deren Kinder schon von Anfang an durchgeschlafen haben, deren Kinder immer „brav“ sind, deren Haushalt immer geputzt ist, bei denen mit Essen, Sauberwerden, Sprache… alles immer perfekt geklappt hat, die bereits kurz nach der Geburt wieder schlank und fit waren, die alles alleine schaffen………da würde euch sicher noch mehr dazu einfallen!!

Aber: Die perfekte Familie gibt es nicht – wir alle haben unsere Stärken und Schwächen, müssen erst in das MutterSein und VaterSein hineinwachsen. Erziehung und Entwicklung fordert uns jeden Tag aufs Neue heraus. „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“ (afrikanisches Sprichwort), dem stimmen wir zu 100% zu.

Kinder brauchen keine perfekten Eltern – sie brauchen ihre Eltern, die für sie genau richtig sind. Achtet auf euch und eure Ressourcen! Ihr seid das Wichtigste für euer Kind.

Und wenn ihr das Gefühl habt ihr schafft das nicht mehr – können wir euch versichern: dieses Gefühl gehört zum Elternsein dazu – redet darüber und holt euch Unterstützung, aktiviert eure Ressourcen, deligiert, sagt auch mal NEIN, holt euch Hilfe – was auch immer es gerade braucht (mal in Ruhe duschen, alleine einkaufen, Beratung, ….).

Niemand muss und kann alles alleine schaffen!

Was brauchst du, damit es dir gut geht? Was sind deine Ressourcen?

Was macht für euch eine gute Mutter/guten Vater aus?

 

Mythos #18: „Wenn Babys schlafen muss es ganz leise sein“

Meist ganz im Gegenteil! Viele Babys schlafen besser, wenn sie Geräusche hören, das kenne sie schon aus dem Bauch. Bereits im Bauch sind Ungeborene ständig von Geräuschen umgeben –dem rhythmischen Herzschlag, dem rauschende Blut, der Atmung, den Verdauungsgeräusche und den Geräuschen von außen – das kann ganz schön laut sein – vergleichbar mit Verkehrslärm.

Im Bauch erleben Ungeborene ein ständiges Rauschen – dies bedeutet Sicherheit und Geborgenheit, weshalb den Babys nach der Geburt oft besser mit Geräuschen (Ein)Schlafen – während Mama gemütlich plaudert, der Staubsauger läuft, den Schlafgeräuschen der Eltern……. Aber auch größere Kinder, die hören, dass Mama und Papa in der Nähe sind, fühlen sich sicher und können so leichter zur Ruhe kommen.

Während die einen besser schlafen, gibt es auch Babys (und auch Erwachsene) die bereits durch kleine Geräusche aus dem Schlaf hochschrecken. Plötzliche laute Geräusche lassen alle Babys hochschrecken und stören den Schlaf.

Meist gibt es aber keinen Grund tagsüber von Anfang an auf Zehenspitzen durch die Wohnung zu schleichen – eher umgekehrt, sind die Kinder gewohnt, dass es leise ist, können sie Geräusche irritieren.

Ist der Tagschlaf „lauter“ und heller und der Nachtschlaf leiser und dunkler können sich Babys und Kleinkinder von Anfang an leichter an den Unterschied zwischen Tag und Nacht gewöhnen.

Schläft dein Baby besser, wenn es leise ist? Oder braucht es bestimmte Geräusche?

 

Mythos #19: „Kinder müssen schlafen lernen“

Babys und Kinder können schlafen –von Beginn an, das müssen sie nicht lernen. Die große Herausforderung ist die Anpassung an den Tag-Nacht-Rhythmus, an unseren Familienrhythmus und „Durchschlafen“. Niemand, auch nicht wir Erwachsenen schlafen durch, dass Babys und Kinder mehrere Stunden „durchschlafen“ ist abhängig von vielen Faktoren.

Baby- und Kinderschlaf ist herausfordernd und oftmaliges Aufwachen gehört dazu. Oft hören wir Eltern aber, dass das nicht „normal“ sei und erhalten, meist unaufgefordert, Tipps und Empfehlungen von anderen. Eine Empfehlung ist das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“, nach wie vor ein Bestseller, bzw. die „Lass dein Kind schreien, dann wird es schon einschlafen“ – Ferber-Methode. Dabei wird empfohlen dein Baby/Kind müde und satt ins Bett zu legen und dann nach vorgegebenem Plan den Raum zu verlassen und nicht auf die Reaktionen (auch wenn sie weinen oder schreien) deines Kindes zu reagieren. Dieses Vorgehen versetzt Kinder in Stress, macht ihnen Angst und sie verstehen nicht, warum Mama und Papa nicht kommen und ihnen helfen, so wie sie das sonst auch immer tun. Irgendwann hören Kinder auf zu weinen und zu schreien – aus dieser Überforderung und Verzweiflung heraus „schalten sie sich ab“ – dies hinterlässt Spuren.

Wichtig: Es gibt Alternativen, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Familie, des Kindes und der Eltern orientieren und (Ein)Schlafen auf Basis von Sicherheit und Geborgenheit – einer sichere Bindung – möglich machen.

Hast du schon mal etwas von der Ferber-Methode gehört oder das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“?

 

Kein Mythos: Was Schlafentzug mit uns Eltern macht!

In den letzten Wochen sind wir unterschiedlichen Mythen rund um Baby- und Kinderschlaf auf den Grund gegangen. Zu guter Letzt – und vor allem, weil es einfach dazugehört – möchten wir euch etwas darüber erzählen, was Schlafentzug mit uns macht.

Erholsamer Schlaf hat für uns alle wichtige Funktionen: Schlaf entspannt und schafft neue Energie, ist wichtig fürs Lernen und unsere Gedächtnisfunktionen, hat großen Einfluss auf unsere Leistungsfähigkeit und unser Immunsystem. Außerdem verarbeitet unser Gehirn während des Schlafs die verschiedenen Eindrücke und Erlebnisse des Tages.

Eine Zeit lang gelingt es unserem Körper, die Natur hat das schon richterweise so eingerichtet, mit Schlafmangel, unregelmäßigen SchlafWachRhythmus mitzuhalten. Aber mit länger andauerndem Schlafentzug, einer oder mehreren (fast) durchwachten Nächten reagieren wir ungefähr so als hätten wir einen Blutalkohol von 0,6 Promille.

Was Schlafentzug mit uns macht – vielleicht kennt ihr das eine oder andere:

  • wir sind unkonzentriert und vergesslich
  • unsere Reaktionsfähigkeit ist verlangsamt
  • wir sind reizbarer, es kommt vielleicht zu mehr Konflikten in der Partnerschaft, oder wir nehmen uns Dinge mehr zu Herzen
  • wir reagieren empfindlicher auf Lärm und andere laute Geräusche, vermutlich auch auf das Weinen und Schreien unserer Kinder

Schlafentzug ist wirklich anstrengend – für Körper und Psyche. Wir sind gefordert und überfordert und vielleicht kennt ihr das auch, dass euch Gedanken in den Kopf kommen „Wenn mein Baby nicht aufhört zu weinen, dann…..“, Gedanken die euch sicher selbst erschrecken, schämt euch dafür nicht!

Wichtig ist und das können wir nicht oft genug sagen – liebe Mütter und Väter – achtet auf euch! Und wenn ihr das Gefühl habt ihr schafft das nicht mehr – können wir euch versichern: dieses Gefühl gehört zum Elternsein dazu – redet darüber und holt euch Unterstützung, aktiviert eure Ressourcen, delegiert, sagt auch mal NEIN, holt euch Hilfe – was auch immer es gerade braucht!

Wie geht es dir mit herausfordernden Nächten und Tagen? Was brauchst du?

© www.siebenschlaefer.at - Sabine Rühl

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