Bindungsorientiert Abstillen nachts

Das Abstill Konzept nach Siebenschläfer Art.

Früher oder später bemerkt jede stillende Mama, dass es Zeit ist Abschied zu nehmen von einer liebgewonnenen Gewohnheit, die das Baby im ersten Lebensjahr mit allem versorgt hat, was es zum gesunden Wachsen braucht. Abstillen ist ein Prozess, der manchmal schnell und oft auch langsam passiert. Er ist mit vielen unterschiedlichen Gefühlen verbunden. Wie schnell und wann abgestillt wird, gibt immer das Still-Team vor. 

Vorbereitung auf das Abstillen.

Mit der Zeit wird Stillen als Wunderwaffe für alles benützt. Es wird gestillt, wenn sich das Kind aufregt oder verletzt hat, es wird aus Langweile gestillt, oder zur Entspannung. Da es von der Natur so eingerichtet wurde, wird auch zum Einschlafen gestillt. Daher braucht es viele neue Rituale und auch alternative Entspannungs- und Beruhigungsmethoden. Nützliche Fragen können sein:

  • Wie beruhige ich mein Kind tagsüber und auch nachts
  • Wie entspannt sich mein Kind, wie entspanne ich mich?
  • Wie schläft mein Kind ein? 
  • Wird nachts Hungergestillt oder Bedürfgestillt (Körperkontakt und Nähe)? 

Eine Handvoll Möglichkeiten.

Wenn die Mama angemessen und immer gleichbleibend reagiert in unterschiedlichen Situationen, wird ihre Reaktion berechenbar für das Kleinkind. Wenn das Kleinkind sich meldet, kannst du:

  •  Hören – Wie hört sich mein Kind an?
  •  Sehen – Was passiert gerade?
  • Fühlen – Welche Gefühle, welche Bedürfnisse hat es?
  • Sprechen – Gefühl/Bedürfnis kommunizieren
  • Hochnehmen, stillen, tragen etc.

Manchmal genügt es, zu hören, zu sehen, zu fühlen und zu sprechen, manchmal aber erfordert es eine sofortige Reaktion. Hier ist das Feingefühl der Mama besonders gefordert. Lass dein Kleinkind bitte nicht alleine, wenn es weint, denn es kann sich nicht selbst beruhigen und braucht dabei immer deine Unterstützung. 

Ansätze zur Entspannung. 

Wir Menschen haben unterschiedliche Wahrnehmungssinne, die wir auch zur Entspannung einsetzten könne. Wenn du dein Kleinkind beobachtest, wird die vielleicht auffallen, dass dein Kleinkind einen Sinn, oder mehrere Sinne häufiger verwendet, als andere. So gibt es Kleinkinder, die alles angreifen müssen, oder alles anschauen müssen. Manche reagieren besonders auf Geräusche oder auch Gerüche, andere saugen die Umwelt mit den Augen auf. All das kannst du auch zu Entspannung nutzen und miteinander kombinieren.

  • Fummeltuch mit Schnüren, Knöpfen, Etiketten usw. (selbstgenäht) 
  • Stofftiere etc. zum Kuscheln
  • Lieder (singen)
  • klassische Musik oder Hörspiele
  • Sternenhimmel Projektion oder bewegtes Nachtlicht
  • mit einer Taschenlampe im dunklen Raum die Gute-Nacht-Geschichte lesen
  • Duftlampe mit zartem Geruch

Der Richtige Zeitpunkt.

Beim Abstillen erlebt das Still-Team eine Achterbahn der Gefühle: Die Mama spürt, dass es an der Zeit ist für den nächsten Entwicklungsschritt. Sie hat gemischte Gefühle, ist verzweifelt, wütend und/oder traurig. Das Kleinkind spürt, dass eine Veränderung vor der Tür steht. Es hat Angst, ist vielleicht verunsichert, klammert mehr oder ist wütend und auch traurig. Beide müssen jetzt zusammenarbeiten. Die Mama muss sich ihrer Entscheidung bewusst sein, alle Zweifel zur Seite schieben und Führung übernehmen, das gibt Sicherheit. Denn bereits der kleinste Zweifel lässt das Vorhaben scheitern, das Kleinkind spürt das. Sie darf dem Kind und auch sich selbst den Prozess zutrauen. Wenn die Gefühle dabei offen kommuniziert werden, ist der größte Brocken aus dem Weg. „Ja ich weiß, dass es schwer ist, aber gemeinsam schaffen wir das!“ So erlebt das Kleinkind trotz stürmiger See die Mama als stabilen Leutturm. 

Der erste Schritt.

Wenn dein Kleinkind tagsüber und auch nachts gewöhnt ist, zum Einschlafen gestillt zu werden, ist es der erste Schritt das Einschlafstillen tagsüber zu beenden und andere Alternativen zu etablieren. Zum Beispiel Schlafen im Kinderwagen, in der Trage, im Auto, in der Federwiege, am Sofa usw. Wenn das Einschlafen tagsüber ohne stillen funktioniert, kannst du es auch abends probieren. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Mama und das Kleinkind tagsüber in einer anderen Energie und somit offener für Neues sind. Es klappt leichter Alternativen zu finden. Wenn du es jetzt abends machst, hast du bereits Strategien entwickelt, die du anwenden kannst. 

Still-Platz statt Still-Bett.

Das Stillen im Bett gehört von Anfang an dazu. Hier ist im Gehirn des Kindes eine große Autobahn. Ein wichtiger Schritt ist es, diese Autobahn zu einem verwachsenen Dschungel-Trampelpfad zu machen. Das gelingt am "einfachsten", wenn man das Stillen vom Bett entkoppelt und einen Stillplatz kreiert, an dem gestillt wird. Still-Plätze können sein: Sofa, Sessel, Kuschelecke usw. 

Still-Lampe.

Kleinkinder verstehen es nicht, wenn man ihnen erklärt, von wann bis wann sie nicht stillen dürfen. Erst mit der Schulreife entwicklen Kinder ein Gefühl für Zeit. Damit dein Kleinkind aber weiß, wann es stillen darf und wann der Busen schläft, kannst du dafür eine Still-Lampe verwenden. Wenn das Licht an ist, darf es stillen, ist das Licht aus, darf es nicht mehr stillen. Praktisch ist es, wenn die kleine Lampe mit einer Zeitschaltuhr gesteuert wird.

Manche Mamas nehmen dafür auch das Tageslicht. Wenn es draußen finster wird, schläft der Busen, wenn es draußen hell wird, darf wieder gestillt werden.

Zu guter Letzt.

Es braucht 2-3 Wochen um neues zu etablieren, dran bleiben lohnt sich! Denn jeder Tag an dem es funktioniert, ist ein gewonnener Tag! Auch wenn es an einem Tag nicht klappt, einfach am nächsten Tag wieder versuchen. Frustration darf sein! Wichtig ist es, die kindlichen und auch die eigenen Gefühle zu benennen und zu begleiten. 

(c) 2020, Marie Scherz, www.siebenschlaefer.at

 

Wenn du Unterstützung brauchst und deinen individuellen Masterplan erstellen willst, melde dich gerne bei Marie Scherz! Auch bietet sie einen Workshop „bindungsorientiert Abstillen nachts“ an. Diesen gibt es online und offline, als auch individuell in der „Freundinnen Edition“. Termine findest du hier.

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