Abends immer das gleiche Theater?

Warum wacht mein Kind so häufig auf? Und warum schläft es noch nicht durch? 

Während des Schlafs durchlaufen wir alle, ob Groß oder Klein, die unterschiedlichen Schlafstadien: vom Dämmerzustand über den leichten Schlaf, hinüber in die Traumphase und von dort in den Tiefschlaf usw.

Das wir regelmäßig nachts aufwachen ist somit für uns alle - auch für Kinder - ein ganz normaler Teil dieses Zyklus. Wenn wir mehrere Stunden am Stück schlafen, bedeutet das, dass wir es immer wieder schaffen (alleine oder mit Unterstützung) weiterzuschlafen. Niemand schläft durch!

Die folgende Grafik zeigt wie wir schlafen. In der ersten Nachthälfte haben wir mehr Tiefschlafphasen als in der zweiten Nachthälfte - hier schlafen wir nicht mehr so tief.
Schlafzyklus

Quelle: NZZ-InfoGrafik

Bei Babys dauert ein Schlafzyklus ca. 50 Minuten. Wenn Neugeborene einschlafen, sind sie zuerst in einem sehr störungsanfälligen Traumschlaf (REM-Schlaf), bevor sie nach ca. 20 Minuten in den Tiefschlaf rutschen. Dann kann man sie auch leichter ablegen ohne sie zu wecken, oder sich "wegschleichen" :-). Aber Achtung, Kinder haben sehr sensible Sensoren und reagieren sofort, wenn die Bindungsperson weg ist oder ihre Lage verändert wird. Das wurde von der Natur so eingerichtet, damit die Zwerge nicht alleine gelassen wurden und so auch nicht von wilden Tieren gefressen werden konnten.

Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster nennt den Traumschlaf auch Entwicklungsschlaf, da das Träumen wichtig für die Entwicklung ist. Die Kinder bewegen sich, zucken mit den Muskeln, geben Geräusche von sich und wirken aktiv. Im Gehirn wird das am Tag Gesehene und Gelernte verarbeitet und verknüpft. Baby- und Kinderschlaf ist deshalb meist alles andere als ruhig. 
In der ersten Nachthälfte schlafen unsere Kinder meist ruhiger und mit weniger Unterbrechungen. Die Tiefschlaf-Phasen überwiegen und es wird weniger geträumt. Wenn sie zwischen den einzelnen Schlafzyklen wach werden, haben sie Hunger, Durst, müssen aufs Klo, brauchen Körperkontakt und Nähe oder einfach die Rückversicherung, dass jemand da ist und sie nicht alleine sind. Nach Mitternacht beginnt die zweite Nachthälfte. Die Kinder träumen in dieser Zeit sehr viel, der Schlaf ist leichter und sie werden häufiger wach.
Durchschlafen bedeutet, dass das Kind die Fähigkeit hat ohne Unterstützung der Eltern mehrere Schlafzyklen miteinander zu verbinden - von alleine immer wieder in den Schlaf zu finden. 
Um die einzelnen Schlafzyklen zu verbinden, brauchen Kinder lange Zeit die Unterstützung von uns Eltern. Diese Fähigkeit entwickelt sich erst mit der Zeit. Die Annäherung an das Durchschlafen ist ein Entwicklungs- und Reifeprozess. Kinder benötigen dafür unter anderem Sicherheit und Geborgenheit, denn Schlaf bedeutet Trennung. Dies lässt aber nicht automatisch den Umkehrschluss zu, dass Kinder, die nicht durchschlafen, diese Sicherheit nicht haben und den Kindern etwas fehlt, oder Eltern etwas "falsch" machen.
Man kann mit der Fähigkeit des Kindes, Schlafzyklen ohne Unterstützung der Eltern miteinander zu verbinden, etwa ab dem dritten Geburtstag rechnen. Aber: Auch Erwachsene schlafen nicht jede Nacht gleich gut und schlafen auch nicht durch, wir können uns nur häufig nicht an unsere kurzen Wachphasen erinnern.
Kinder müssen nicht schlafen lernen, das können sie schon im Bauch der Mutter. Schlafen bedeutet sich entspannen zu können und entspannt zu sein. Diese Entspannung üben die Kinder gemeinsam mit uns Eltern. 
Turbulente Tage wie auch Nächte gehören zum Größerwerden dazu. Aber so wie es für den Erziehungsalltag tagsüber Tricks und Tipps gibt, gibt es auch rund ums Schlafen Tipps und Tricks, die den 24h Alltag erleichtern können. Bei Fragen wende dich gerne an uns. Wir unterstützen euch gerne und sind für euch und eure Frage und Anliegen da.